„Der Wind, der Wind, das himmlische Kind“ antworten Hänsel und Gretel im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm auf die Frage der Hexe, wer sich am Lebkuchenhaus zu schaffen macht. Wir sprechen von windigen Burschen und windigen Angelegenheiten. Der Wind und windig als Metaphern stehen für Unstetigkeit, zweifelhaft, unsolide, unvorhersehbar, nicht greifbar… Fast scheint es, als wäre der Begriff Windvorhersage ein Paradoxon. Nachfolgend ein paar Fakten zum Thema Wind und Windvorhersage.

Der Wind im meteorologischen Sinn

Die Meteorologie versteht unter dem Begriff Wind eine Luftbewegung in der Erdatmosphäre. Gemäß den Gesetzen der Thermodynamik wird ein Ausgleich der regional unterschiedlichen Luftdrücke angestrebt. Dabei entsteht eine Bewegung von Luftmassen aus dem Gebiet des höheren Luftdrucks in die Region mit dem niedrigeren Druck. Diese Bewegung wird als Wind bezeichnet. Je größer der Druckunterschied zwischen Hoch- und Tiefdruckgebiet ist, desto stärker weht der Wind. Orkane entstehen, wenn extrem kalte auf extrem warme Luftmassen treffen.

Wie wird eine Windvorhersage bestimmt bzw. berechnet?

Die ganze Erde ist von einem Netz hochpräziser Messinstrumente und Sensoren überzogen. Diese messen den Zustand der Atmosphäre an Land, auf dem Meer, in der Luft und vom Weltraum aus. Moderne Ultraschall-Anemometer beispielsweise messen Windrichtung und Windgeschwindigkeit in zwei Ebenen. Für die Berechnung einer Windprognose sind präzise topographische Modelle besonders wichtig, so weht der Wind an der Küste ungebremst, im Gebirge jedoch herrschen andere Verhältnisse. Meteorologen überziehen ein bestimmtes Gebiet vom Erdboden bis in eine Höhe von 75 Kilometern mit einem dreidimensionalen Gitternetz. Für jeden Gitterkreuzungspunkt stellen sie Näherungsformeln für physikalische Wettergrößen auf. in diese mathematischen Gleichungen speisen die Meteorologen alle in dieser Region aktuell beobachteten Daten ein. Ein Computer errechnet aus diesem Status Quo, wie sich die Atmosphäre und damit auch die Windverhältnisse verändern werden. Je engmaschiger das Gitternetz aufgebaut ist, desto präziser gelingt die Prognose.Das derzeit beste Vorhersagemodell des Deutschen Wetterdienstes ist das COSMO-DE-Vorhersagemodell. Der Abstand der Gitterpunkte beträgt hier 2,8 km. Alle drei Stunden beginnt ein neuer Modellauf, der nach zweistündiger Rechenzeit zur Verfügung steht. Er beinhaltet eine Vorhersageleistung von 27 Stunden mit einstündiger Auflösung der prognostizierten Parameter.

Wie zuverlässig ist eine Windvorhersage?

Von Mark Twain, dem bekannten amerikanischen Schriftsteller stammt das Zitat „Vorhersagen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Wie schon beschrieben, benötigen die „Wetterfrösche“ ein möglichst engmaschiges Gitternetz, um eine Grundlage für die komplizierten Berechnungen zu schaffen. Da jedoch zwei Drittel dieser Erde aus Meer besteht, ist eine 100 Prozent-Vorhersage äußerst schwierig. Die Trefferquote für kurzfristige Prognosen (3 Tage) liegt immerhin bei 90 Prozent.